Haben Arthur, Guinevere, Lancelot und Merlin Lieblingszahlen? Die Ziehungsmaschinen von UK Lotto, 1994-2026
Drei Jahrzehnte lang kamen die britischen Lottozahlen aus Maschinen mit Namen - Arthur, Guinevere, Lancelot, Merlin, dann Edelsteine, seit 2025 schlichte Nummern. Manche Spieler vermuten, dass eine von ihnen oder ein bestimmter Kugelsatz Lieblingszahlen hat. Wir haben ein unabhängiges Verzeichnis aller Maschinen und Kugelsätze mit unserem eigenen Archiv abgeglichen und jede mit genug Ziehungen einzeln getestet. Was 3.258 Runden zeigen - und was nicht.
Guinevere steht jetzt im Museum
Am 19. November 1994 zog eine Maschine namens Guinevere die ersten Zahlen der britischen National Lottery: 30, 3, 5, 44, 14 und 22, Zusatzzahl 10. Eine Guinevere mit Baujahr 1994 gehört heute samt Namensschild zur Sammlung des Londoner Science Museum, das sie in seiner Mathematik-Galerie ausstellt. Ihre Kolleginnen hießen Arthur, Lancelot und Merlin, später kamen Galahad und Vyvyan dazu.
Mit den Namen kam ein Verdacht, der immer wieder auftaucht: dass eine bestimmte Maschine oder ein bestimmter Kugelsatz manche Zahlen bevorzugt. Wer das prüfen will, braucht für jede Ziehung zwei Angaben, die die meisten Archive nicht führen - welche Maschine lief und welcher Kugelsatz darin lag. Der Betreiber zeigt sie auf seinen Ergebnisseiten, aber nur für die jüngeren Ziehungen. Zwei private Ergebnisportale führen sie bis zur ersten Ziehung zurück. Wir haben das vollständigere davon gegen unsere eigenen Daten, gegen die Seiten des Betreibers und gegen das andere Portal geprüft und dann jede Maschine einzeln getestet.
Vier Generationen, drei Namenssysteme
Das Archiv stammt von Richard K. Lloyd, der unter lottery.merseyworld.com eine inoffizielle Website zur National Lottery betreibt. Sie umfasst alle 3.218 Lotto-Ziehungen bis zum 24. Oktober 2026. Weil seit Juni 2026 jede Ziehung aus zwei Runden besteht, sind es 3.258 Runden. In jeder einzelnen stimmen Datum, sechs Zahlen und Zusatzzahl mit unserem eigenen Archiv überein. Die Maschinennamen ergeben eine klare Abfolge:
| Maschinen | Erste Runde | Letzte Runde | Runden |
|---|---|---|---|
| Arthur, Guinevere, Lancelot, Merlin, Galahad, Vyvyan | 19. Nov. 1994 | 22. Okt. 2003 | 817 |
| Amethyst, Topaz, Sapphire, Moonstone, Opal, Pearl, Garnet | 25. Okt. 2003 | 18. Nov. 2009 | 634 |
| Arthur, Guinevere, Lancelot, Merlin (Namen wiederverwendet) | 21. Nov. 2009 | 10. Jan. 2026 | 1.633 |
| Lotto 1, 2, 4, 5, 6 | 9. Juli 2025 | 24. Okt. 2026 | 174 |
Nach dem Archiv von lottery.merseyworld.com. Lancelot erscheint dort ab April 1995, Merlin ab Juli 1998, Galahad von 2000 bis 2003, Vyvyan von 2000 bis 2002. Sieben Runden aus Mai und Juni 2026, die das Archiv als Lancelot führt, und ein Kugelsatz sind nach den Ergebnisseiten des Betreibers korrigiert. Die Zeiträume der 3. und 4. Generation überschneiden sich, weil Arthur noch im Januar 2026 zweimal zog.
Am 25. Oktober 2003 verschwinden die Artus-Namen aus dem Archiv, an ihre Stelle treten Edelsteine: Amethyst, Topaz, Sapphire und weitere. Am 21. November 2009 kehren Arthur, Guinevere, Lancelot und Merlin zurück. Laut Wikipedia waren das neue Maschinen, die nur die alten Namen übernahmen; eine offizielle Bestätigung dafür haben wir nicht gefunden. Weil es um das Verhalten von Geräten geht, behandeln wir sie trotzdem getrennt von den Maschinen von 1994. Wer Guinevere für eine Maschine mit 30 Dienstjahren hält, vergleicht womöglich zwei verschiedene Geräte.
Lancelot zog zum letzten Mal am 5. Juli 2025. Vier Tage später, am 9. Juli, lief erstmals eine Maschine namens „Lotto 2“. Das Fachportal lottery.co.uk bemerkte damals einen durchsichtigen statt eines massiven Hintergrunds im Auffangbereich der Kugeln und fragte beim Betreiber nach, ohne eine Antwort zu bekommen. Seit Februar 2024 betreibt Allwyn die National Lottery, nicht mehr Camelot - ein Name, zu dem die Tafelrunde bestens passte. Ein Zusammenhang liegt nahe, offiziell begründet wurde der Wechsel nach unserer Kenntnis nicht. Nach ihrem ersten Einsatz zog Lotto 2 laut Archiv fast jede Ziehung. Nur am 7. und 10. Januar 2026 sprang noch einmal Arthur ein, was lottery.co.uk bestätigt - die letzten Artus-Ziehungen, die wir gefunden haben. Lotto 4 kam im Februar 2026 dazu, Lotto 5 im März. Seit Mai 2026 nennen die Ergebnisseiten des Betreibers Lotto 1, Lotto 4, Lotto 5 und Lotto 6. Seit dem 10. Juni 2026 sind bei jeder Ziehung zwei davon im Einsatz, eine je Runde.
Was das Zwei-Runden-Format auszahltDer Test: jede Maschine für sich
Eine faire Maschine zieht jede Zahl auf lange Sicht gleich oft. Bei 6 aus 59 landet eine bestimmte Zahl in gut 10 Prozent aller Runden unter den sechs Gewinnzahlen, nach 256 Runden also etwa 26-mal. Ganz genau trifft das nie zu, manche Zahlen kommen öfter, andere seltener. Die Frage ist, ob die Abweichungen größer sind, als der Zufall sie erzeugt.
Dafür haben wir für jede Maschine die Hauptzahlen gezählt, getrennt nach Generation und nach Spielformat - bis Oktober 2015 wurde 6 aus 49 gespielt, seitdem 6 aus 59. Maschinen mit weniger als 100 Runden haben wir weggelassen, weil sich dort fast nichts erkennen lässt. Übrig blieben 15 Maschinen-Abschnitte mit zusammen 2.814 Runden. Für jeden haben wir einen Chi-Quadrat-Wert berechnet, der alle Abweichungen von der fairen Erwartung zu einer Zahl zusammenfasst. Wie oft ein solcher Wert auch bei einer fairen Maschine vorkommt, haben wir nicht aus einer Tabelle abgelesen, sondern ausprobiert: mit 20.000 simulierten Ziehungsreihen gleicher Länge, gezogen ohne Zurücklegen wie in der echten Maschine. Der Anteil der Simulationen mit einem mindestens so hohen Wert ist der p-Wert.
| Maschine | Format | Runden | Häufigste Zahl | Erwartet | p |
|---|---|---|---|---|---|
| Arthur (1. Generation) | 6 aus 49 | 238 | 38 (42×) | 29,1 | 0,41 |
| Guinevere (1. Generation) | 6 aus 49 | 190 | 44 (34×) | 23,3 | 0,90 |
| Lancelot (1. Generation) | 6 aus 49 | 181 | 38 (35×) | 22,2 | 0,12 |
| Merlin (1. Generation) | 6 aus 49 | 108 | 47 (22×) | 13,2 | 0,40 |
| Amethyst (2. Generation) | 6 aus 49 | 172 | 39 (30×) | 21,1 | 0,83 |
| Topaz (2. Generation) | 6 aus 49 | 157 | 9 (31×) | 19,2 | 0,13 |
| Sapphire (2. Generation) | 6 aus 49 | 135 | 24 (25×) | 16,5 | 0,81 |
| Arthur (3. Generation) | 6 aus 49 | 144 | 17, 33 (25×) | 17,6 | 0,91 |
| Guinevere (3. Generation) | 6 aus 49 | 171 | 29 (28×) | 20,9 | 0,85 |
| Lancelot (3. Generation) | 6 aus 49 | 142 | 35 (26×) | 17,4 | 0,15 |
| Merlin (3. Generation) | 6 aus 49 | 157 | 24 (29×) | 19,2 | 0,71 |
| Arthur (3. Generation) | 6 aus 59 | 257 | 52 (38×) | 26,1 | 0,65 |
| Guinevere (3. Generation) | 6 aus 59 | 256 | 49, 54 (39×) | 26,0 | 0,11 |
| Lancelot (3. Generation) | 6 aus 59 | 257 | 34 (35×) | 26,1 | 0,79 |
| Merlin (3. Generation) | 6 aus 59 | 249 | 37 (34×) | 25,3 | 0,97 |
Nur Hauptzahlen, ohne Zusatzzahl. „Erwartet“: wie oft jede Zahl bei einer fairen Maschine im Schnitt gezogen würde. p-Werte aus 20.000 Simulationen, gerundet. Bei Gleichstand sind alle Spitzenreiter genannt.
Keine der 15 Maschinen fällt auf. Der kleinste p-Wert liegt bei 0,11, das heißt: Etwa jede neunte faire Maschine würde mindestens so ungleichmäßig aussehen. Die übliche Schwelle für „auffällig“ liegt bei 0,05. Bei 15 Tests würde man sogar erwarten, dass knapp einer sie zufällig unterschreitet. Selbst das ist hier nicht passiert.
Die Kugelsätze haben wir genauso geprüft: Sätze 1 bis 8, jeweils für 6 aus 49 und 6 aus 59, macht 16 Tests. Der niedrigste p-Wert lag mit etwa 0,05 genau an der Schwelle, bei Satz 5 in der 6-aus-49-Zeit. Bei 16 Versuchen ist ein solcher Treffer ziemlich genau das, was der Zufall erwarten lässt. Dazu kommt: Eine Satznummer im Archiv ist eine Bezeichnung, kein Beweis, dass über 21 Jahre dieselben Kugeln im Einsatz waren.
Warum Guineveres 49 und 54 kein Signal sind
Wer die Tabelle nach Ausreißern absucht, findet sie sofort. Die Guinevere von 2009 hat in der 6-aus-59-Zeit die 49 und die 54 je 39-mal gezogen, erwartet waren 26,0 - also 50 Prozent mehr. Das sieht nach Lieblingszahlen aus. Ist es aber nicht, denn bei 59 Kandidaten ist immer irgendeine Zahl die häufigste. Wir haben 256 faire 6-aus-59-Ziehungen 20.000-mal simuliert: Im Mittel kam die häufigste Zahl 38-mal vor, und in 35 Prozent der Fälle 39-mal oder öfter. Dass gleich zwei Zahlen diese Marke erreichen, ist seltener, es passierte in etwa 6 Prozent der Fälle. Sieht man aber 15 Maschinen durch, stehen die Chancen gut, irgendwo auf etwas so Seltenes zu stoßen. Der Test, der alle 59 Zahlen gemeinsam bewertet, sieht Guinevere bei 0,11 - unauffällig.
Das ist derselbe Denkfehler wie bei „überfälligen“ Zahlen: Man sucht sich im Nachhinein den auffälligsten Wert heraus und vergisst, dass man unter vielen gesucht hat. Unsere Statistikseite zu UK Lotto zeigt die Häufigkeiten aller Zahlen seit 2015, mit derselben Warnung.
Was dieser Test nicht kann
Kein Befund heißt nicht, dass jede Maschine perfekt war. Es heißt, dass eine Schieflage zu klein gewesen sein müsste, um in ein paar Hundert Runden aufzufallen. Wie klein? Nach 256 Runden 6 aus 59 schwankt die Trefferzahl einer einzelnen Zahl rein zufällig um etwa 4,8 um den Erwartungswert von 26,0. Damit ein Test auf dem 5-%-Niveau sie überhaupt bemerkt, müsste sie rund 36 Prozent öfter kommen als fair - und weil man 59 Zahlen gleichzeitig prüft, eher noch mehr. Ein wirklich grober Fehler wäre also aufgefallen, ein feiner nicht.
Die zweite Einschränkung betrifft die Daten selbst. Für die 51 Ziehungen vom 2. Mai bis 24. Oktober 2026 (91 Runden) konnten wir das Archiv mit den Ergebnisseiten des Betreibers vergleichen. Die Zahlen stimmten überall. In sieben Runden aus Mai und Juni 2026 steht im Archiv aber „Lancelot“, wo der Betreiber Lotto 6 oder Lotto 1 angibt, und für den 22. August 2026 führt es für beide Maschinen Kugelsatz 4, der Betreiber für eine davon Satz 3. Diese acht Einträge haben wir vor den Tests korrigiert. Für die Jahrzehnte davor gibt es keine amtliche Liste, wohl aber ein zweites Portal: Bei 80 zufällig ausgewählten Ziehungen von 1995 bis 2026 nennt lottery.co.uk in jedem Fall dieselbe Maschine und denselben Kugelsatz. Die Fehler von 2026 hat es nicht. Vereinzelte falsche Bezeichnungen würden eine echte Schieflage etwas verwischen, eine große aber nicht verschwinden lassen.
Was das für Spieler heißt
Selbst wenn eine Maschine eine Zahl bevorzugt hätte, wäre damit wenig gewonnen. Nehmen wir an, eine Zahl käme 20 Prozent öfter als fair - eine Schieflage, die in diesen Daten unentdeckt bleiben könnte. Ein Tipp mit dieser Zahl hätte dann statt einer Jackpot-Chance von 1 zu 45.057.474 eine von etwa 1 zu 37.500.000. Ein echter Vorteil ist das nicht, und zahlen müsste man den Tipp trotzdem zum vollen Preis.
Die wichtigere Lehre ist eine andere. Die Kontrollen, die eine Lotterie fair halten - etwa mehrere Maschinen und mehrere Kugelsätze im Wechsel - sollen grobe Fehler und Manipulation verhindern. Die Ziehungsdaten aus 32 Jahren passen dazu, dass sie das geschafft haben. Eine Gewinnstrategie lässt sich daraus nicht ableiten. Wer merkt, dass er beim Lottospielen nach Mustern sucht, um Verluste zurückzuholen, findet in unserem Spielerschutz-Hinweis Anlaufstellen.
Wie hätten deine Zahlen abgeschnitten?
Unser Checker lässt deine Zahlen gegen alle UK-Lotto-Ziehungen seit 1994 laufen und zeigt dir, was sie gewonnen hätten - und was du dafür eingesetzt hättest.
Quellen: Maschinen und Kugelsätze aller Runden vom 19. November 1994 bis 24. Oktober 2026 aus dem Archiv von Richard K. Lloyd (lottery.merseyworld.com, inoffiziell), Zahlen abgeglichen mit dem LottoROI-Archiv (alle 3.258 Runden identisch); Zahlen, Maschinen und Kugelsätze der Ziehungen 3168 bis 3218 laut Ergebnisseiten der National Lottery (national-lottery.co.uk); Maschinen und Kugelsätze von 80 Stichproben-Ziehungen, der ersten Ziehung und der Januar-Ziehungen 2026 laut lottery.co.uk; Science Museum Group Collection, Objekt 2006-207 („Guinevere, Random Number Selector and name plaque“); lottery.co.uk, „New Ball Machines for Lotto Draws, And A New Studio in London!“ (15. Juli 2025); iGaming Business, „Allwyn takes control of UK National Lottery“ (1. Februar 2024); Wikipedia, „National Lottery (United Kingdom)“, zur Herkunft der Maschinen von 2009 (nicht amtlich bestätigt). Tests und Simulationen: eigene Berechnung.
Hinweis: Glücksspiel kann süchtig machen. Spiele verantwortungsbewusst. Teilnahme ab 18 Jahren. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken.