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Lottopedia · EintragStand: 30. April 2026

70 Jahre 6 aus 49: Formate, Kugeln, Mittelverwendung – die Bestandsaufnahme

Zusammenfassung

13, 41, 3, 23, 12, 16 – das waren die sechs Zahlen, die am 9. Oktober 1955 in Hamburg den Anfang von 6 aus 49 markiert haben. Siebzig Jahre später ist das Spiel die einzige Lotterie in Deutschland, die jeder Erwachsene erkennt, ohne nachdenken zu müssen. Diese Bestandsaufnahme beschreibt nicht nur, was sich seitdem an Format, Zusatz- und Superzahl geändert hat, sondern auch das Drumherum: wie der Lotto- und Totoblock aus 16 Bundesland-Gesellschaften das Spiel als Föderation organisiert, warum die Kugeln 3,25 Gramm wiegen müssen, welche Zahlen statistisch zu oft getippt werden – und wo die rund 50 Prozent der Einnahmen landen, die nicht als Gewinn ausgezahlt werden.

3. Dezember 2024·15 Min. Lesezeit·Lesezeit für Vertiefung
Erste Ziehung
9.10.1955 · Hamburg
Trägerschaft
16 Bundesländer (DLTB)
Format heute
6/49 + Superzahl
Kapitel 1

Hamburg, 9. Oktober 1955: 13, 41, 3, 23, 12, 16

Die erste 6-aus-49-Ziehung fand am 9. Oktober 1955 in Hamburg statt. Gezogen wurden 13, 41, 3, 23, 12 und 16. Der Jackpot — den niemand traf — entsprach dem heutigen Gegenwert von etwa 25.000 €, eine fast schon rührend kleine Summe gemessen an dem, was in den nächsten Jahrzehnten üblich werden sollte. Der Tippschein kostete 50 Pfennig pro Reihe.

Wichtiger als die Zahlen selbst ist, was im Hintergrund konstruiert wurde. 6 aus 49 startete nicht als zentrales Bundesangebot, sondern als gemeinsames Spiel der bereits existierenden Landeslottogesellschaften. Diese Konstruktion, ungewöhnlich im internationalen Vergleich, prägt das Spiel bis heute — und ist das Thema von Kapitel 2.

Kapitel 2

Föderale Konstruktion: Wie 16 Bundesländer ein einziges Spiel betreiben

In Deutschland ist Glücksspiel Sache der Bundesländer — eine Verfassungsentscheidung mit weitreichenden Folgen für die Lotterieorganisation. Jedes der 16 Bundesländer betreibt eine eigene staatliche Lottogesellschaft (Lotto Bayern, Lotto Hamburg, WestLotto in Nordrhein-Westfalen, und so weiter). Damit es trotzdem ein gemeinsames Spiel mit gemeinsamem Jackpot gibt, schließen sich diese Gesellschaften zum Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) zusammen.

Diese Lösung hat keine direkte Entsprechung in den großen Lotterienationen Westeuropas. In Großbritannien betreibt ein einziger privater Konzessionär (heute Allwyn) die nationale Lotterie auf Lizenz. In Frankreich ist die FDJ seit 2019 teilprivatisiert und national tätig. In Spanien ist SELAE eine zentrale staatseigene Aktiengesellschaft. Deutschland ist das einzige große westeuropäische Land, in dem das nationale Standard-Lotto über eine Föderation aus 16 staatlichen Trägern läuft.

Die praktische Folge ist: Wer in Bayern einen Schein kauft, spielt mathematisch denselben Pool wie ein Spieler in Sachsen-Anhalt — aber die Zweckerträge aus seinem Einsatz fließen über das jeweilige Bundesland zurück, nicht zentral aus einem Bundes-Topf. Eine Tradition, die im nächsten Kapitel beim Thema Mittelverwendung wieder auftaucht.

Kapitel 3

Format-Geschichte: vier Etappen seit 1955

6 aus 49 hat in 70 Jahren überraschend wenig grundlegende Regeländerungen erlebt. Das eigentliche Spielprinzip — sechs Zahlen aus einer Menge von 49 — ist seit der ersten Ziehung 1955 unverändert. Was sich geändert hat, sind die Bonuszahlen darum herum.

ZeitraumFormat
1955–1956
6/49
Erste Ziehung in Hamburg. Reines 6-aus-49-Spiel ohne Bonuszahlen, samstags.
1956–1991
6/49 + Zusatzzahl
Eine 7. Kugel wird aus den restlichen 43 gezogen — die Zusatzzahl. Teilt die Klassen feiner auf.
1991–2013
6/49 + Zusatzzahl + Superzahl
Die Superzahl (0–9), abgeleitet aus der Tippscheinnummer, wird als zweite Bonuszahl eingeführt. Mittwochsziehung kommt 1991 dazu.
2013–heute
6/49 + Superzahl
Vereinfachung am 4. Mai 2013: Die Zusatzzahl entfällt. Aktuelles Format mit nur einer Bonuszahl.

Anmerkung: Die Jackpot-Chance bezieht sich auf die obersten Klasse je Format. Die Zusatzzahl von 1956 hat die Jackpot-Chance nicht verändert, sondern nur weitere Klassen ergänzt.

Kapitel 4

Was die Kugeln aushalten müssen: Eichordnung und Live-Übertragung

Die 49 Kugeln, mit denen jede Ziehung läuft, sind keine Bürospielzeuge. Sie wiegen 3,25 Gramm pro Stück, haben einen Durchmesser von 22 Millimetern und werden vor jeder Ziehung einzeln gewogen, vermessen und einer optischen Prüfung unterzogen. Dass dies konsistent passiert, ist die Voraussetzung dafür, dass die mathematische Annahme einer Gleichverteilung — jede Kugel hat dieselbe Wahrscheinlichkeit gezogen zu werden — nicht durch physikalische Asymmetrien unterlaufen wird.

Hinter dieser Routine steht ein Aufwand, der für eine Lotterie eher untypisch wirkt: zwei vollständige Sätze identischer Kugeln, ein zertifizierter Notar, der die Prüfung dokumentiert, und eine seit 1965 ununterbrochen live im Fernsehen übertragene Ziehung — eine der ältesten kontinuierlichen TV-Sendungen Deutschlands überhaupt. Live-Sendung ist hier nicht Show, sondern Beweisführung: Die Manipulation einer Mechanik, die Millionen Menschen gleichzeitig zusehen, ist eine andere Klasse von Aufwand als die Manipulation eines geschlossenen Studios.

Spezifikation
Gewicht
3,25 g
Durchmesser
22 mm
TV-Live seit
1965
Kapitel 5

Welche Zahlen Tipper systematisch zu oft wählen — und was das mit deiner Quote macht

Statistisch sind alle 49 Zahlen gleich wahrscheinlich. Aber Tipper sind keine Zufallsgeneratoren. Über alle Tippscheine eines Wochenendes hinweg sieht man wiederkehrende Muster: Die Zahlen 7, 3, 9 und 19 werden überdurchschnittlich oft getippt; die 13 wird unterdurchschnittlich oft gewählt; und der gesamte Bereich von 32 bis 49 ist deutlich unterrepräsentiert, weil viele Spieler Geburtstage als Vorlage nehmen und nur Tage 1–31 in Frage kommen.

Für die Jackpot-Chance ist das egal — die ändert sich durch dein Tippverhalten nicht. Was sich ändert, ist die erwartete Auszahlung im Gewinnfall. Klasse 1 wird im Lotto-Toto-Block per Pari-Mutuel ausgeschüttet: Der Jackpot-Topf wird auf alle Tipper mit der Gewinn-Kombination aufgeteilt. Tippst du eine populäre Kombination wie 7, 9, 13, 19, 21, 23 + Superzahl, gewinnst du im Treffer-Fall denselben anteiligen Topf wie viele andere — also weniger pro Person. Tippst du eine 'unbeliebte' Reihe wie 32, 38, 41, 44, 47, 49, gehört dir der Topf im Treffer-Fall häufiger allein.

Das ist kein Trick, um häufiger zu gewinnen. Es ist der Hinweis darauf, dass 'Lottosystem nach Glückszahlen' im strengen Sinne eine Wette mit niedrigerer erwarteter Auszahlung ist — bei identischer Wahrscheinlichkeit.

Kapitel 6

Wo die Hälfte des Geldes hinfließt

Vom Brutto-Spieleinsatz für 6 aus 49 fließen rund 50 Prozent in den Gewinnpool zurück, der über alle neun Klassen ausgeschüttet wird. Die andere Hälfte teilt sich grob in zwei Blöcke auf: Eine pauschale Lotteriesteuer von 16⅔ Prozent geht an den Bund (geregelt im Rennwett- und Lotteriegesetz). Der Rest deckt den Betrieb der Landeslottogesellschaften, Provisionen für Annahmestellen — und Zweckerträge, also Mittel, die explizit gemeinnützig verwendet werden.

50%
Gewinnausschüttung
17%
Lotteriesteuer (16⅔%)
33%
Betrieb, Annahmestellen, Zweckerträge

Was 'Zweckerträge' praktisch bedeutet, hängt vom Bundesland ab — die föderale Konstruktion aus Kapitel 2 schlägt hier durch. Bayern fördert traditionell stark Sport (BLSV) und Denkmalpflege; Nordrhein-Westfalen verteilt unter anderem an Jugend- und Sozialarbeit; Berlin und Hamburg haben eigene Schwerpunkte in Kultur und sozialer Infrastruktur. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gehören zu den überregional konstanten Empfängern.

Kapitel 7

Glücksspielstaatsvertrag: der Rahmen, in dem 6 aus 49 läuft

Über der föderalen Konstruktion liegt ein Staatsvertrag, der das Regelwerk für Lotterien, Sportwetten und Online-Glücksspiel zwischen den Bundesländern koordiniert: der Glücksspielstaatsvertrag. Er regelt unter anderem, dass Lotterien einer staatlichen Erlaubnis bedürfen, dass Werbung für Glücksspiel beschränkt ist, und dass Spielerschutz (Suchtprävention, OASIS-Sperrsystem, Einsatzlimits) verpflichtend organisiert sein muss.

Die für 6 aus 49 wichtigste praktische Konsequenz seit der Reform 2021 (GlüStV 2021): Online-Vertrieb wurde bundesweit legalisiert und reguliert. Vorher war die Rechtslage nach mehreren Reform-Anläufen seit 2008 zwischen 'erlaubt mit Einschränkungen' und 'in einigen Ländern unzulässig' fragmentiert. Heute können Spieler 6-aus-49-Tipps bei den jeweiligen Landeslottogesellschaften online abgeben — und die Landeslottogesellschaft selbst ist die einzige Anbietergruppe, die das in jedem Bundesland darf.

Kapitel 8

6 aus 49 vs. Eurojackpot: wann lohnt sich was?

Die häufigste Frage von Spielern, die beide Optionen kennen, ist nicht, ob man 6 aus 49 oder Eurojackpot tippen sollte — sondern wann welches Spiel die rationalere Wahl ist. Eine kurze Gegenüberstellung anhand der Punkte, die sich tatsächlich unterscheiden:

Jackpotchance: 6 aus 49 hat 1 zu 139,8 Mio. (mit Superzahl), Eurojackpot ebenfalls 1 zu 139,8 Mio. (5/50 + 2/12). Mathematisch vergleichbar.

Jackpot-Höhe: 6 aus 49 erreicht praktisch selten über 30–45 Mio. €, weil der Spielereinsatz auf den deutschen Markt begrenzt ist. Eurojackpot ist auf 120 Mio. € gedeckelt und erreicht diesen Cap regelmäßig, weil der Pool über 19 Länder läuft. Wer auf Headline-Jackpots spielt, ist beim Eurojackpot strukturell besser bedient.

Spielfrequenz und Einsatz: 6 aus 49 wird mittwochs und samstags gespielt, ein Tipp kostet 1,20 € + Bearbeitungsgebühr. Eurojackpot läuft dienstags und freitags, ein Tipp kostet 2 € + Gebühr. Wer regelmäßig spielt, kommt mit 6 aus 49 auf einen niedrigeren wöchentlichen Einsatz bei zwei Ziehungen.

Steuerlich: Beide Lotterien sind in Deutschland nach EStG nicht steuerpflichtig auf den Gewinn selbst. Erträge auf das Vermögen (Zinsen, Dividenden) werden danach normal besteuert.

Praktische Heuristik: 6 aus 49 für regelmäßiges Spielen mit deutscher Mittelverwendung, Eurojackpot für gezieltes Mitspielen bei großen Caps oder wenn der grenzüberschreitende Charakter und Headline-Jackpots wichtig sind.

Wie hätten deine Wunschzahlen in 70 Jahren 6 aus 49 abgeschnitten?

Trag deine sechs Zahlen ein und prüfe sie gegen jede einzelne dokumentierte 6-aus-49-Ziehung seit dem 9. Oktober 1955. Wir gleichen alle vier Format-Phasen ab — mit oder ohne Zusatzzahl, mit oder ohne Superzahl.

Zahlen jetzt prüfen

Hinweis: Dieser Eintrag stützt sich auf öffentlich zugängliche Daten der Landeslottogesellschaften, des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB), des Rennwett- und Lotteriegesetzes (RennwLottG) sowie auf den Glücksspielstaatsvertrag in seinen aktuellen Fassungen. LottoROI ist mit dem DLTB, Lotto Hamburg, Lotto Bayern, WestLotto oder einer anderen staatlichen Lottogesellschaft nicht verbunden und vermittelt keine Tipps.